Deutsche und Ungarn spielen gemeinsam

Konzert der Jugendkapellen Friedberg und Szentendre

23.07.2003

Von unserem Mitarbeiter Florian Alber

"Sieben Waldhörner - das gibt einen Sound!" Andreas Thon leitet die Jugendkapelle Friedberg und war begeistert, als er am Dienstag die Besetzung der Jugendkapelle Szentendre aus Ungarn sah. Heute um 19.30 Uhr werden die beiden Kapellen bei einem deutsch-ungarisches Freundschaftskonzert im Schlosshof spielen. Eher zufällig kam der Kontakt nach Ungarn zustande.

Kriszina Prejer kam vor zwei Jahren als AuPair-Mädchen nach Friedberg. Fremdes Land, fremde Stadt - Kriszina versuchte Anschluss zu finden. In Szentendre hatte sie in der Jugendkapelle Klarinette gespielt, und als sie ein Plakat des Friedberger Pendant entdeckte, war für sie klar: "Hier will ich es versuchen." Sie schrieb ein E-Mail auf Deutsch, bekam die Probezeiten mitgeteilt und ging einfach mal hin. "Dort wusste niemand etwas von mir, ich musste alles noch mal erklären", lacht sie heute. Doch auch diese Hürde wurde genommen und Kriszina wurde Mitglied der Jugendkapelle, gemeinsam gab man Konzerte und gewann den zweiten Preis beim Jugendkapellenwettbewerb in Bamberg.

Auf die Idee zur deutsch-ungarischen Zusammenarbeit sind Kriszina und Andreas Thon zusammen gekommen. "Zufällig hat Herr Thon in Ungarn Urlaub gemacht, nur 20 Kilometer von Szentendre entfernt", erzählt Kriszina. Thon kam auf Besuch in die 23000-Einwohner-Stadt nördlich von Budapest, hörte sich ein Konzert an und lernte Géza Féja, den Kapellleiter, kennen. Die beiden verstanden sich auf Anhieb und so war die Fahrt nach Friedberg schnell eine ausgemachte Sache.

"Deutschland ist schön, vor allem Bayern", meint Féja. Fast alle Hobbymusiker haben sich Zeit genommen, insgesamt 37 Musiker sind am Montagabend nach Friedberg gekommen. Und da die meisten ein paar Brocken Deutsch beherrschen, ist auch die Verständigung kein Problem. Jeweils zu zweit wohnen sie bei Familien von Mitgliedern der Jugendkapelle. "Es war ganz schön schwierig, kurz vor den Sommerferien noch ausreichend Gastfamilien zu finden", erzählt Thon, aber am Ende wurden doch alle Ungarn untergebracht.

Kriszina ist wieder zu ihrer Au-Pair-Familie zurückgekehrt. "Ich habe mich das Jahr über so wohl gefühlt - Friedberg ist meine zweite Heimatstadt geworden", freut sie sich. Häufige Briefwechsel führte sie aus Ungarn mit Mitgliedern der Friedberger Kapelle. Und da sie sich in Bayern schon auskennt, hat sie auch das Freizeitprogramm der Ungarn auf die Beine gestellt. Ulm und der Blautopf standen am Dienstag auf dem Programm, gestern ging es in die Königstherme und heute gibt es eine Stadtführung durch Augsburg und Friedberg. Am Freitag wird noch München besichtigt, bevor es am Samstagmorgen wieder zurück nach Szentendre geht.

Am Freitag in Hergertswiesen

Natürlich wurde auch geprobt, knapp 90 Musiker mussten sich in den Musikpavillon zwängen. Heute Abend ab 20Uhr wird erst jede Kapelle alleine auftreten, bevor es zur großen deutsch-ungarischen Kooperation kommt. Den Ungarischen Tanz Nr.5 von Johannes Brahms und den Deutschmeister Regimentsmarsch von Wilhelm-August Jurek werden die Kapellen als Abschluss zusammen spielen. Nach dem heutigen Konzert sind die Ungarn am Freitag ab 19.30 Uhr ohne Friedberger Verstärkung in Hergertswiesen im Gasthaus Koller zu hören. Doch damit ist das Kapitel Friedberg-Szentendre noch keineswegs abgeschlossen, denn der Gegenbesuch in Szentendre ist für 2004 schon fest in Planung.

Florian Alber, © Friedberger Allgemeine

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