Kein ganz normaler Wahnsinn

09.03.2008

Friedberg - Eine beeindruckende Visitenkarte gab die Jugendkapelle Friedberg bei ihrem traditionellen Frühjahrskonzert in der Stadthalle ab. Mit ihrem Dirigenten Andreas Thon bot sie vor sehr gut besetzten Rängen einen Wechsel von Klassik und Moderne.

Kein ganz normaler Wahnsinn

Unter dem Titel "Der ganz normale Wahnsinn" lieferte am Samstagabend die Jugendkapelle ein furioses Programm ab. Am Ende des zweistündigen Konzertes brandete in der Stadthalle ein wahrer Begeisterungssturm der Gäste auf.

Den konzertanten Leitrahmen "Wahnsinn" hat Andreas Thon, Leiter der Jugendkapelle, bewusst gewählt, um auf experimentellem Weg einen spannenden Reiz zu erzeugen. Geleitet von einer höchst dynamischen "Handschrift" des Dirigenten und die spürbar innige Leidenschaft zur Musik über alle Stilrichtungen hinweg. Durch das Programm führten in humoriger Weise die Mitglieder der Jugendkapelle Sarah-Madeleine Gabler und Volker Kirsch.

"Der tanzende Clown" zog eingangs sofort alle Aufmerksamkeit auf sich. Anmutig und spielerisch leicht musizierte die jüngste Bläserschar. Beeindruckende Leistungen in den folgenden Sätzen von "Crazy Crowd", in denen ein marschierender Major oder rockender Roboter deutlich zu vernehmen waren. Spielerisch die hübsche Prinzessin, virtuos die irre Type, verhalten der scheue Spion und tapsig der alternde Akrobat. Das Publikum honorierte die hervorragende Darbietung mit viel Applaus, bevor die Jüngsten noch einmal "rund um die Uhr rockten". Dabei spielten manche Bläsergruppen einzeln bis sich die Gruppe im großen Weckerklingeln zusammenfand.

Was das Volumen der Friedberger Jugendkapelle betraf, war die verschmitzte "Vorwarnung" der Moderatoren berechtigt. Mit allerlei Hilfswerk wie Hupe und Motorrad stimmten die "Großen" ein wahres Großstadtkonzert an. Mit "Traffic" des Komponisten Thomas Doss kam aus heiterem Himmel der erste schlagkräftige Beweis.

Ausdrucksstark interpretiert hielten die "Dragon Fighter" ihren Einzug. Dem Orchester gelang es hervorragend, eine spannungsgeladene Szene inmitten von Mystik und Romantik in den Liechtensteiner Bergen nachzustellen. Danach wurde es klassisch. Es folgte ein "Concerto Italiano per fagotto" mit dem Augsburger Solisten Rustam Keil. "Habe die Ehre" begrüßte die Formation Rockin' Brass nach der Pause, bevor die Young Blood Brass Band das Publikum faszinierte und nach Brooklyn entführte.

"Ein tolles Konzert. Das war mal etwas ganz anderes", schwärmten zwei Konzertbesucher auf dem Nachhauseweg. Und in der Tat waren ganz ungewohnte Klänge zu hören. So bei der Uraufführung von Volker Kirschs "A Woodwind Tribut to Coldplay". Der Komponist des Stückes, Abiturient am Wernher-von-Braun-Gymnasium, hat dieses Stück für fünf Klarinetten als seine Diplomarbeit abgeliefert. Dass das Experiment mit diesem ungewöhnlichen Stück gut angekommen ist, zeigte der langanhaltende Applaus eines begeisterten Publikums.

Ein elektrisierendes Gitarrensolo legte Phillip Bertl in "The Joust" von Don Gillis hin bevor Martin Nägele mit einem Horn Solo in "Bilbo the Hobbit" glänzte. Christian Nägele spielte sein Solo ebenso sicher und ließ auf seiner Tuba sonore Tiefen erklingen. Mit "Morning Madness" endete das "wahnsinnige" Frühjahrskonzert der Jugendkapelle Friedberg. Jedoch nicht bevor noch eine Zugabe erklang, die Andreas Thon als "florentinisches Schnelllegro" ankündigte.

Manuela Rieger, © Friedberger Allgemeine

Zurück