Gymnasiast vertonte Film für Orchester

Der junge Komponist Ludwig Nägele spielt beim Frühjahrskonzert der Friedberger Jugendkapelle mit

16.03.2007

Eine gut elfminütige Filmmusik für ein Blasorchester zu komponieren, ist nicht mit reiner Intuition zu machen. Es bedeutet auch harte und zähe Arbeit. Diese Erfahrung hat der Friedberger Abiturient Ludwig Nägele (19) gemacht. Er hat für seine Facharbeit im Leistungskurs Musik am Wernher-von-Braun-Gymnasium einen Schulfilm über Schillers Die Bürgschaft vertont. Die Uraufführung ist am Samstag, 24. März, um 19 Uhr beim Frühjahrskonzert der Jugendkapelle Friedberg zu hören. In den Reihen der Musiker sitzt dann auch der junge Komponist. Er ist seit über zehn Jahren Jugendkapellenmitglied.

Dass beim Frühjahrskonzert neben bekannten Werken Musik aus den eigenen Reihen erklingt, freut nicht nur den Dirigenten der Jugendkapelle, Andreas Thon: Alle sind stolz darauf. Der junge Komponist werde rückhaltlos von seinen Mitspielern unterstützt. Es war durchaus ein gewisses Wagnis, auf das sich Nägele vor über einem Jahr mit der Wahl seines Facharbeitsthemas eingelassen hatte.

Am Anfang stand die Idee, ein Orchesterstück zu komponieren. Ein Risiko. Man weiß ja nicht, was herauskommt, gesteht Leistungskursleiter Wolfgang Raab im Nachhinein ein. Für ihn ist es neu am Friedberger Gymnasium, dass sich ein Schüler für die Facharbeit gleich an ein Orchesterwerk herangewagt hat. Andere Gymnasiasten hatten schon Arrangements für die Jugendkapelle geschrieben. Doch auch für Dirigenten Andreas Thon ist es eine Premiere, dass die Jugendkapelle das Orchesterwerk eines Schülers spielt. Zugetraut hat es Thon dem Waldhornbläser Ludwig Nägele durchaus: Er ist ein kreativer Typ. Er spiele hervorragend Orgel. Und der 19-Jährige habe es als Mitglied der Jugendkapelle verstanden, vorhandene Möglichkeiten zu nutzen.

Der Antrieb für Ludwig Nägele war bei der Facharbeit, etwas Eigenes zu schaffen. Dafür griff er auf einen Film zurück, der 2005 im Rahmen des Deutschunterrichts von Lehrerin Karina Sedlmeyr - die früher ebenfalls in der Jugendkapelle spielte - entstanden war. Dafür hatten damalige Elftklässler am Gymnasium die Handlung von Schillers Bürgschaft (Zu Dionys, dem Tyrannen, schlich Damon, den Dolch im Gewande . . .) an Friedberger Schauplätze verlegt. Der 19-Jährige vertonte diesen Film, der beim Frühjahrskonzert der Jugendkapelle zu sehen ist.

Das Komponieren der Filmmusik beschreibt Ludwig Nägele als zeitaufwändige Tätigkeit. In den Weihnachtsferien war er vom Morgen bis zum Abend damit beschäftigt. An einem Keyboard machte er sich stundenlang mit Blick auf die entsprechenden Filmszenen auf die Suche nach passenden Melodien. Bei der Umsetzung auf 31 Notenblättern half ihm am Computer ein Notensatzprogramm, das auch Profis verwenden. Auf einer DVD kann sich die Filmmusik längst hören lassen. Von einem echten Orchester gespielt klingt es aber viel besser, sagt Ludwig Nägele. Aus der Praxis heraus hatte Andreas Thon als Dirigent dafür noch Tipps für den Nachwuchs-Komponisten parat.

Die Filmmusik soll je nach Szene mal pompös, dramatisch, majestätisch, düster oder festlich klingen. Auch eine Art Triumphmarsch wird zu hören sein. Ludwig Nägele hofft, dass sein Werk sich wie selbstverständlich und leicht anhören wird. Die große Mühe, die dahintersteckt, soll nicht zu hören sein.

Auf Reaktionen gespannt

Auf die Publikumsreaktion ist der Gymnasiast schon gespannt. Sein Musiklehrer Wolfgang Raab ist schon vorab voll des Lobes. Ihm imponiert an Ludwig Nägele die Kombination von Kreativität und Umgang mit Computertechnik. Es handle sich um eine herausragende Facharbeit. Die Note kann Raab aber noch nicht verraten.

Andreas Schmidt, © Friedberger Allgemeine

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