Wenn einer eine Reise tut...

12.06.2006

dann kann er viel erzählen. Doch zu Beginn benötigt man viel Sitzfleisch. Die Busreise in die französische Partnerschaft Friedbergs, nach Bressuire, dauert 16 Stunden. Viel Zeit für Ratschen, Musikhören, Essen, Schlafen...

Wenn einer eine Reise tut...

Umso mehr freuten sich die Teilnehmer dieser Reise, die Städtische Jugendkapelle Friedberg, auf die Gastfreundschaft der Gastfamilien. Um es vorwegzunehmen, die Gastfreundschaft in Bressuire ist fabelhaft. Alle Jugendlichen und die Erwachsenen Betreuer der Kapelle wurden herzlich aufgenommen und vortrefflich bewirtet. Nach der ersten Nacht bei den Gastfamilie konnten sich am Pfingstsonntag alle näher kennen lernen. Abends gab es ein gemeinsames Essen mit den Musikern des dortigen Musikschulorchesters. Unsere Gastgeber begleiteten uns anschließend nach Parthenay. Hier nahmen wir an einer „Cavalcade“ teil. Eine Art Faschingsumzug mit Volksfest. Der Umzug begann gegen 22.00 Uhr und er wurde für uns zu einem unvergesslichen Erlebnis. Eine laue Sommernacht lockte laut Lokalzeitung rund 45.000 Besucher an. Auf dem Weg wurden in einer Art Arena alle Teilnehmer vorgestellt. Als wir an die Reihe kamen war der Applaus riesig. Ein echtes „Gänsehaut-Erlebnis“. Bis 1.00 Uhr dauerte der Umzug. Drei Stunden marschieren und Musizieren. Das war sehr anstrengend, aber auch schön. Am nächsten Tag wurde eins klar. Viel Schlaf werden wir in Bressuire nicht bekommen. Mit einem Teil unserer Gastgeber ließen wir den Tag ruhig angehen. In Arcais wurden wir durch das Poitevienische Moor gerudert. Zwischen Niort und dem Ozean hat sich ab dem 11. Jh. das Meer zurückgezogen und bildet an der Stelle des ehemaligen Golfes des Poitous einen Irrgarten von Acker- und Weidegebieten. Durch diese schlängeln sich unzählige Wasserwege. Ein hochromantisches Plätzchen. Weniger sehenswert war die Stadt Niort. Aber das sehr teure Eis hat wenigstens gut geschmeckt. Das Schloss „Montreuil-Bellay“ ist in Privatbesitz und wird noch heute bewohnt. Das kleine gleichnamige Städtchen und die mittelalterliche Burg sind sehr sehenswert. Wir wurden durch die Schlossanlage und im Stile des 17. und 18. Jh. möblierte Zimmer geführt und erfuhren so einiges über die französische Geschichte. Nicht weit davon liegt Rochemenier. Hier wurden zwischen dem 13. und dem 19. Jahrhundert 40 Bauernhöfe mit 250 Höhlen in die Erde gegraben. Zwei Höfe mit 20 Höhlen können mit fachkundlicher und unterhaltsamer deutscher Führung besichtigt werden. Eine Fotoausstellung zeigt wie bis 1920 noch einige dieser Höfe bewohnt wurden. Den Nachmittag konnte jeder nach seiner Vorstellung in der schönen Stadt Saumur an der Loire verbringen. Hier gibt es unzählige touristische Attraktionen: Ein Schloss thront über der Stadt, Sektkellereien, Kerkermuseum, Spanische Hofreitschule eine romanische Kirche u.v.m. Aber einfach nur ein Stadtbummel vermittelt schon Urlaubsgefühle. Ein Besuch in der Atlantikstadt „La Rochelle“ gehört bei unseren Fahrten nach Frankreich bereits zum Standartprogramm. Diese Stadt hat einen besonderen Charme. Sehenswert ist hier nicht nur das Aquarium, wo in 3 Millionen Liter Meerwasser rund 10.000 Meerestiere gezeigt werden. Am Aquarium lässt sich gut parken. In der Nähe gibt es die Anlegestelle „Le Passeur“. Für 60 Cent wird man mit einer elektrischen Fähre in den alten Hafen von La Rochelle übergesetzt und befindet sich damit bereits im Zentrum dieser Metropole. Am Mittwoch Abend gab die Jugendkapelle ein umjubeltes Konzert in dem von Bressuire 12 Kilometer entfernten Ort Nueil. Am Donnerstag machten wir einen Ausflug in die französische Geschichte. Im Erlebnispark „Puy Dou Fou“ in Les Epesses wird diese mit beeindruckenden Shows dargestellt. Fantastisch ist auch die Liebe zum Detail. Z.B. ist dort ein Mittelalterliches Dorf aufgebaut, in dem das Handwerk dieser Zeit präsentiert wird. Dieses Dorf wurde Stein für Stein nach historischem Vorbild errichtet und wirkt, als stünde es schon immer an dieser Stelle. Der Besuch im „Puy du Fou“ ist absolut empfehlenswert. Am Freitag kamen wir um 22.30 Uhr wieder in Friedberg wohlbehalten an. Es war eine wunderschöne und erlebnisreiche Reise. Seit 1993 besteht unsere Freundschaft mit Musikern aus Bressuire. Bei dieser Begegnung wurde die Freundschaft weiter vertieft. Unterstützt wurden wir bei dieser Fahrt von den Eltern der Musiker, dem Deutsch-Französichen Jugendwerk, der Stadt Friedberg, dem Partnerschaftskomitee in Friedberg, Frau Funk und mit Verpflegung für die Anreise durch die Bäckerei Ihle. Ihnen allen ein herzliches Dankeschön.

Andreas Thon, © MyHeimat Friedberg

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