Großkonzert war bessere Wahl als das Länderspiel

3250 Mark für die Kartei der Not bei Konzert des Musikbezirks

11.10.1999

Wer das EM-Qualifikationsspiel der deutschen Fussball-Nationalmannschaft gegen die Türkei einem Besuch des Großkonzertes zugunsten der Kartei der Not in Friedberg vorzog, dürfte enttäuscht gewesen sein. Ganz anders die Besucher, die in der Friedberger Stadthalle wirklich harmonierende Ensembles des Musikbezirks 14 im Allgäu-Schwäbischen-Musikbund (ASM) erlebten.

Auch gab es dort im Gegensatz zum Länderspiel einen Gewinner: das Leserhilfswerk Kartei der Not. Ihm spendeten die Besucher 3250 Mark. Damit wird die ,,Kartei der Not" unschuldig in Not Geratene unterstützen. Zugunsten von Spenden hatte der Musikbezirk auf Eintritt verzichtet. Rund 350 Besucher erlebten Blasmusik vom Feinsten, dargeboten von 157 Musikerinnen und Musikanten aus drei Kapellen, die unüberhörbar der Spielmannszug Mering ergänzte.

Pfeifend und trommelnd führte der Spielmannszug unter Tambourmajor Michael Dosch die Jugendkapelle Friedberg, die Kolpingkapelle Mering und den Musikverein Schmiechen in die Halle.

Eine klingende Stadt

Nach der von allen Musikern vorgetragenen "Musica Festiva" hieß der Präsident des Allgäu-Schwäbischen-Musikbundes, Professor Karl Kling aus Krumbach, die Gäste willkommen. Kling nannte Friedberg eine "klingende Stadt", in der bodenständige Blasmusik gepflegt werde. Nicht ohne Stolz verwies der ASM-Präsident darauf, dass bislang schon 116700 Mark für das Kuratorium Kartei der Not eingespielt wurden. Aber er dankte auch den Vertretern des Hilfswerks, Geschäftsführer Wilfried Höhnke und Stefan Hilscher von der Verlagsleitung der Augsburger Allgemeinen. ,"Hier wird seit 35 Jahren stille und unbürokratische Hilfe geleistet", so Kling.

Höhnke stellte nach der Pause das gute Zusammenspiel zwischen Hilfe und Musik heraus. Insbesondere dankte er für Spenden, mit denen nach dem Jahrhunderthochwasser an Pfingsten geholfen werden konnte. Dafür leistete das Kuratorium bislang mit 900000 Mark Direkthilfe, auch in Kissing und Mering

Allen Grund "Vergelt's Gott" zu sagen, sahen auch Landrat Dr. Theo Körner und Friedbergs Bürgermeister Albert Kling. Letzterem gab der Vorsitzende des Musikbezirks 14 im ASM den Dank zurück, denn die Stadt stellte ihre Halle kostenlos zur Verfügung. Und darin liefen die Hauptdarsteller des Abends zur Höchstform auf. Müssig, ein Ensemble hier herauszuheben. Markus Popfinger mit seinem 30-köpfigen Klangkörper aus Schmiechen glänzte da ebenso, wie Andreas Thon, der 60 Jugendkapellenmitglieder dirigierte. Excellent auch der Auftritt der 43-köpfigen Kolpingkapelle Mering mit Philipp Kufner am Pult. Alle drei Kapellen boten, von gelungenen Intermezzos des Spielmannszuges unterstützt, Stücke jenseits der Zehn-Minuten-Grenze. Dass dies ein Höchstmaß an Konzentration und auch Durchstehvermögen erforderte, war klar. Und dass dies vortrefflich gelang, zeigten wahre Beifallsstürme.

Geboten wurden ausnahmslos Stücke der Höchststufe und genauso wurden sie auch vom Publikum beurteilt. Und darin saßen die ASM-Bundesjugenddirigentin Michaela Klahr aus Hawangen im Allgäu und der Bundesdirigent Elmar Vögel aus Siegmarszell bei Lindau. Im Gegensatz zu den einzelnen Dirigenten, denen die Anstrengung anzumerken war, durften sie - die Freude ins Gesicht geschrieben - auch den Gemeinschaftschor dirigieren. Und jeder gemeinsame Auftritt zeigte, dass auch ein Spielmannszug ein Blasorchester durchaus verstärken kann.

Was sich am Ende des Konzertes in den Spendenkörbchen sammelte, konnte sich sehen lassen. Auch zweimal "Kling" machten ihre Geldbeutel ganz weit auf: Bürgermeister Albert Kling und ASM-Präsident Karl Kling.

© Friedberger Allgemeine

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