"Das Boot" legt in der Stadthalle an

Marinemusikkorps aus Kiel musiziert gemeinsam mit der Friedberger Jugendkapelle vor begeistertem Publikum

14.06.2004

Mitreißend und überwältigend war das Konzert mit dem Marinemusikkorps Ostsee, Kiel und der Jugendkapelle Friedberg. Seemannslieder, Marschmusik und Jazzklänge rissen die Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin. "Dass wir die aus Kiel runtergekriegt haben, ist toll", war die einhellige Meinung in der Stadthalle. "Wir sind gern gekommen", betonte Fregattenkapitän Manfred Peter.

Zu verdanken war der Kontakt dem ehemaligen Seemann Paul Leicht, der am Abend auch für die Verpflegung sorgte. Das Marinekorps verzichtete zugunsten der Stadtjugendkapelle auf eine Gage. "Die müssen sich nur ein bisschen mehr trauen", ermunterte Fregattenkapitän Manfred Peter die jungen Kollegen. An Intonation und Beherrschung der Instrumente hatte der Dirigent nämlich nichts auszusetzen. Ohne vorherige Probe spielten die Profimusiker und die Stadtjugendkapelle zusammen "Kameraden auf See", exzellent aufeinander abgestimmt.

Mindestens zwei Instrumente perfekt beherrschen muss man für die Mitgliedschaft im Marinekorps. "Wer da aufgenommen wird, kann was", sagte Karl-Ludwig Gallwitz, Oberstleutnant a. D. Drei junge Leute, Christopher Basch, Theresia Hölzl und Markus Leicht können mitreden. Sie hatten ein Praktikum in Kiel absolviert und trugen stolz die schicken Marine-Uniformen.

Schmissige Einstimmung

Schmissig mit dem Radetzky-Marsch stimmte die Jugendkapelle auf den Abend ein. Die Verbindung zum nassen Element schaffte sie mit der alles anderen als leicht zu spielenden Titelmelodie "Das Boot". Zackig salutierte Paul Leicht vor dem Fregattenkapitän. Mit der Bootsmaats-Pfeife signalisierte Leicht das Wecken an Bord. Und lud die Musiker in der Pause zum Schnaps ein, serviert von den jungen Musikern der Jugendkapelle.

Mit dem "Gruß an Kiel" übernahmen die Profimusiker. Ein breit gefächertes musikalisches Spektrum bot das Militärensemble von der Ostsee dar. "Banditenstreiche" von Franz von Suppé und die "Jazz Suite" von Dimitrij Schostakowitsch deckten die klassische Palette ab. Bei "My way" glänzte Hauptbootsmann Klaus Reinke als Solist. Johannes Streng überzeugte mit der Basstuba beim "Tubistenschreck". Aber auch an moderne Filmmusik wagten sich die Militärs. Ausschnitte aus dem "Fluch der Karibik" setzten das dazu gespielte Medley plastisch in Szene. Rhythmischen Jazz auf hohem künstlerischen Niveau zeigten die Musiker mit einem überzeugenden Glenn Miller-Cocktail. Mit "Irish Stew" entführten die Musiker auf die grüne Insel. Dirigent Peter griff höchstpersönlich zum Schifferklavier. Irische Reels lockten zum Mittanzen.

Die flotte schauspielerische Einlage des Bassposaunisten im Frack und Grammophon heizte die ohnehin gute Stimmung im Saal weiter an. Ansteckende Fröhlichkeit mit Schunkelei verbreiteten die Musiker mit altbekannten Seemannsliedern wie "Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern", "Anker auf und "Leinen los".

Begeistert zeigte sich Judith Schrader von der Vorstandschaft des Fördervereins von der Einfühlsamkeit des Dirigenten: "Wenn Sie so zärtlich zu Ihrer Frau sind, wie Sie dirigieren, dann machen sie die sehr glücklich." Der Vorsitzende des Vereins zur Förderung der musikalischen Ausbildung in Friedberg, Heinz Bolleininger, übergab dem Marinemusikkorps ein Fass Bier vom Landhausbräu Koller aus Hergertswiesen. Auch eine CD mit dem Friedbergmarsch von Andreas Thon darf den Weg nach Kiel antreten. Mit lautstarkem Beifall honorierte das Publikum das Engagement der Musiker. Die Zuhörer lohnten die bemerkenswerten Leistungen nicht nur mit donnerndem Applaus, sondern auch mit lauten La Ola-Rufen und Getrampel.

Petra-Sabina Herrman, © Friedberger Allgemeine

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