Ein Coup auf dem Rollfeld

"Selbstverständlich" ist der Papst bereit, im Goldenen Buch der Stadt zu unterschreiben

15.09.2006

Ein Coup auf dem Rollfeld

In der Nacht zuvor hatte der städtische Abteilungsleiter Frank Büschel noch davon geträumt, dass er Benedikt XVI. versehentlich mit "Herr Papst" anreden würde. Tatsächlich sprach ihn Büschel gestern Mittag auf dem Rollfeld des Münchner Flughafens mit "Heiliger Vater" an. Dass sich diese Gelegenheit ergeben würde, hatte der Abteilungsleiter zu träumen gewagt. Dass daraus Wirklichkeit wurde, ermöglichte es auch Bürgermeister Dr. Peter Bergmair, dem Papst spontan die Grüße der Stadt Friedberg zu übermitteln und ihm ein Erinnerungsgeschenk zu überreichen.

Im Protokoll war das eigentlich nicht vorgesehen. Büschel nutzte die Gelegenheit, als der Papst nach seiner Abschiedsrede unter anderem begleitet von Ministerpräsidenten Edmund Stoiber in Richtung Flugzeug ging. Aus dem Fotografen-Pulk heraus fragte dann Büschel den "Heiligen Vater", ob er sich in das Goldene Buch eintragen würde. "Selbstverständlich", lautete die Antwort von Benedikt XVI. Und Büschel hatte das Buch gleich unterm Arm parat. Bürgermeister Dr. Peter Bergmair gelang es auch noch, dem Papst einen silbernen Schlüsselanhänger von Goldschmied Hansjörg Fritsche mit einer Nachbildung des ältesten Friedberger Stadtsiegels zu übergeben - all dies vor laufenden Fernsehkameras. "Ich kann es noch gar nicht fassen", meinte Büschel anschließend. Und auch Bürgermeister Bergmair schwebte später auf "Wolke sieben" zurück nach Friedberg.

Möglich wurde der Friedberger Coup dank der städtischen Jugendkapelle. Denn in deren Begleitung durften Bürgermeister und Co. mit zur Papst-Verabschiedung auf den Münchner Flughafen. Dass dafür die Friedberger aus einer Vielzahl von Kapellen ausgewählt worden waren, darauf konnte Dirigent Andreas Thon schon stolz sein. Aber auch seine Musiker freuten sich schon auf den Auftritt auf dem Rollfeld, obwohl sie dafür früh antreten mussten. Maria Braumüller hatte extra noch einmal ihre Bluse gebügelt und sich einen Benedikt-XVI.-Anstecker an die Uniformjacke gesteckt.

Bereits zwei Stunden, ehe der Papst eintraf, war die Jugendkapelle an ihrem Auftrittsort auf einer Tribüne am Flugplatz-Rollfeld. Dort wurden noch einmal die vorgesehenen Stücke gemeinsam mit zwei weiteren Kapellen geprobt, und für alle Fälle noch ein drittes: Der Ruetz-Marsch, der aber nicht gespielt wurde. Schließlich schritt der Papst zu den Klängen des "Larida-Marsches" nur etwa fünf Meter an der vordersten Reihe der Musiker vorbei - mit einem Gruß in Richtung Friedberger Jugendkapelle. Mancher hatte vielleicht gehofft, dass der "Heilige Vater" später auf die Blaskapellen zugehen würde. Doch da nützte es selbst nichts, dass - dank Transparent unübersehbar - auch das Schülerblasorchester aus St. Ottilien mitspielte. In diesem Kloster hatte der Papst noch als Kardinal mehrmals Exerzitien verbracht.

Dafür ließ sich der Augsburger Bischof Walter Mixa nach dem Abflug des Papstes gerne mit der Friedberger Jugendkapelle fotografieren. Und er trug sich noch auf dem Rollfeld ins Goldene Buch der Stadt Friedberg ein - gleich als Nächster nach Benedikt XVI..

Andreas Schmidt, © Friedberger Allgemeine

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