Fünfzehn Jahre und kein bißchen leise

Töne eines ehemaligen Jugendkapellenmitglieds

20.05.1999

''Er hat die idealen Tenorhorn-Lippen", hieß es 1983, als ich mich noch recht schüchtern, zusammen mit meinen Eltern im Musikpavillon vorstellte um ein Instrument zu lernen. Franz-Xaver Haltmeir hatte einen geschulten Blick dafür, schließlich waren Tiefblechbläser gerade Mangelware. Überzeugt und voll Eifer stürzte ich mich als 10jähriger ins Musikleben.

Erst einmal Noten lernen, dann Töne spielen und letztendlich im Einzelunterricht das berühmte "üben, üben, üben". Begeisterung machte sich breit. Und es klappte. Schon bald konnte ich, außer den Tonleitern, die ersten Stücke spielen. Nach einem knappen Jahr war der "Grundkurs" vorbei und ich durfte im B-Orchester mitwirken. Gemeinsam Musik zu machen war das Ziel, auch wenn es anfangs noch sehr schwierig war, dies zur Zufriedenheit des Dirigenten zu erfüllen. Die ersten Auftritte und damit das erhebende Gefühl von Lampenfieber folgten. Nach kurzer Zeit war ich im A-Orchester und durfte bei "den Großen" mitspielen. Intensiv geprobt wurde vor allem im Landschulheim in Dinkelscherben. Diese Wochenenden waren für jeden immer wieder ein Highlight, daran hat sich bis heute nichts geändert. Frühjahrskonzerte, Bezirkskonzerte und Musikfeste (mit langen Umzügen und anstrengenden Auftritten im Bierzelt) schlossen sich an. Aber auch große Reisen. Nach Schleswig-Holstein, nach Berlin, nach Spanien und zur "Konzerttournee" ins ferne Florida. Ich lernte Deutschland, Europa und die Welt kennen, und dies alles durch den "Botschafter" Musik.

Fleiß und Ehrgeiz nötig

Natürlich war es nicht leicht Schule, Freizeit, Proben und Auftritte unter einen Hut zu bringen. Aber geschafft habe ich es immer. Ehrgeiz und Fleiß waren nötig, um alle drei Bläserprüfungen zu bestehen. Besonders spannend war es jedesmal bei Wertungsspielen. Jeder gab beim Vorspiel vor der Jury sein Bestes. Anschließend kam das bange Warten bis zur Bekanntgabe des Ergebnisses. In den allermeisten Fällen brach dann das gesamte Orchester in einen gewaltigen Jubelschrei aus und gefeiert wurde oft die ganze Heimfahrt. Zum 20jährigen Bestehen der Jugendkapelle gab es die neue Uniform (kann sich noch jemand an die alte erinnern?) und im gleichen Jahr zum ersten Mal das Friedberger Altstadtfest. Dieses Fest ist auch heute noch ein ganz großes Ereignis. Selbstverständlich darf man aber die kleinen Auftritte, wie Geburtstagsständchen, nicht vergessen. Mit ein paar Musikern kann man einen Menschen glücklich machen. Was gibt es Schöneres ?

Thon folgt auf Haltmeir

Andreas Thon übernahm von 1990 an die Geschicke der Kapelle. Ich persöhnlich habe mich schnell an den neuen Stil gewöhnt. Mit frischer Energie startete man los. Die Städtepartnerschaft mit Bressuire wurde in vielen gegenseitigen Austauschen intensiv gepflegt. Besonders gut abgeschnitten haben wir beim Europäischen Wettbewerb in Trier (1993) - "Bestes Jugendorchester der Oberstufe in Europa". In der Stufe "schwer" haben wir den Jugendkapellen-Wettbewerb gewonnen und somit die Möglichkeit zur Aufnahme einer CD erhalten. Diese wurde zum 25-jährigen Jubiläum vorgestellt. Die Atmosphäre eines Tonstudios mitzuerleben, wie bei den weltberühmten Musikern, ist ein wahres Erlebnis. Inzwischen folgten unzählige Konzerte, Umzüge, Wettbewerbe und kleinere Auftritte (Martinsumzüge, Hundedressurverein usw.). Die Reise nach Riva am Gardasee stärkte die Gemeinschaft untereinander in besonderem Maße. Das ist es, was vor allem zählt. Man Trifft sich nicht nur zu den Proben, sondern verbringt auch sonst viel Zeit miteinander. Radtouren, Wochenendskifahrten und Badetage am Baggersee sind nur eine kleine Auswahl.
Zeitweise bildeten sich für gesonderte Anlässe (Solo/Duo-Wettbewerb, "Friedberg Brass") kleinere Ensembles aus dem Orchester. Hierbei wurde die Spielfertigkeit besonders gefordert, weil man sich mit seiner Stimme nicht mehr in der Menge verstecken konnte. Ich fand gerade diese "Ausflüge" immer sehr reizvoll und interessant. Aber auch, wenn mal ein Auftritt oder ein Wertungsspiel nicht so gelaufen ist, wie man es sich gewünscht hat, die Musiker und der Dirigent haben sich nicht unterkriegen lassen. Man fing eben wieder neu zu proben an. So haben wir in diesem Jahr einen weiteren Tonträger zum erneuten Jubiläum, diesmal 30 Jahr Jugendkapelle Friedberg, fertiggestellt, was von allen Beteiligten höchste Motivation und Konzentrationforderte. Die Vorbereitungen für die Wettbewerbe und das Jubiläumsjahr laufen. Diesmal feiern wir ganz groß.
Durch Schule und Studium hindurch hat mich die Jugendkapelle Friedberg jetzt 15 Jahre lang begleitet. In der Gemeinschaft habe ich meine besten Freunde gefunden. Wenn ich zurückdenke, was mir alles entgangen wäre, hätte ich damals nicht die "optimalen Lippen" gehabt, ein wichtiger Teil meines Lebens würde mir fehlen.
Ich bedanke mich beim Dirigenten, dem Elternbeirat und besonders bei meinen Freunden für die schöne Zeit. Um meine Ausbildung vollständig abzuschließen, gehe ich nun nach Bonn. Verabschieden möchte ich mich jedoch nicht für immer.
Ich werde die Mittwoch-Abende sehr vermissen.

Nikolai Raffler, © Jugendkapelle Friedberg

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