Jugendkapelle ist Friedbergs klingender Botschafter

Vor 50 Jahren wurde die städtische Jugendkapelle gegründet. Im Mittelpunkt steht die Musik, aber auch etwas anderes verdient großen Applaus. Von Sabine Roth

07.02.2019

Jugendkapelle ist Friedbergs klingender Botschafter

Der Weg zum Schloss leuchtete in Blau, Weiß und Rot, den Farben also, die auch die Uniformen der Friedberger Jugendkapelle zieren. Mit Fanfaren begrüßten zehn Bläser dort die Gäste des Festakts, mit dem der 50. Geburtstag des Ensembles gefeiert wurde. Die geladenen Gäste aus Politik und Wirtschaft, Vertreter der Stadt sowie ehemalige Elternbeiräte waren fasziniert, was diese Jugendlichen alles auf die Beine gestellt haben. Viele Erinnerungen wurden wach.
Am 6. Februar 1969 beschloss der Rat der Stadt Friedberg, eine städtische Jugendkapelle zu gründen. Die ersten Proben mit Franz Xaver Haltmeir fanden noch in seinem Heizungskeller statt. Dass diese Kapelle der Stadt guttut, davon ist Bürgermeister Roland Eichmann überzeugt. Er bedankte sich bei den Stadträten, die auch in schwierigen Zeiten die finanziellen Mittel dafür bereitgestellt hat. „Die Jugendkapelle hat sich in den vergangenen 50 Jahren zu einem besonderen Botschafter unserer Stadt entwickelt. Weit über die Landesgrenzen hinaus präsentiert sie sich bei vielen Konzertfahrten“, sagte er. Aber auch hier in der Region genießt sie einen ausgezeichneten Ruf. Regelmäßig erhält das Ensemble bei Wertungsspielen höchste Auszeichnungen. Ein solches Niveau zu erreichen und über die Jahre zu halten, bedeute viel Arbeit und Engagement.
Jugendkapelle mit unnachahmlichem Charakter
Die Musik sei zwar das Herzstück, darauf legt Andreas Thon, seit fast 30 Jahren Leiter des Orchesters, viel Wert. Aber es geben auch einen tollen Zusammenhalt der Jugendlichen. Thon wies auf viele schöne Erinnerungen und Erlebnisse, Erfahrungen und Erfolge bei Konzertreisen, die Probenwochenenden und Auftritte hin, die er mit seiner „Juka“ bisher erleben durfte. Ein großer Dank ging an die Elternbeiräte und Sprecher der Orchester, die den unnachahmlichen Charakter dieser Kapelle geschaffen haben und weiter erhalten. Viele seien schon über zehn Jahre in diesem Amt.
Wie die derzeitige Elternbeiratsvorsitzende Maria Zangl, die sich freute, dieses wertvolle Ehrenamt begleiten zu dürfen. Auch Julena Ranzinger vom Förderverein der Jugendkapelle ist stolz auf diese tolle Truppe. Seit 1993 steht der Verein unterstützend zur Seite. Rainer Schaller, Vize-Präsident des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes, lobte: „Mit welcher Leidenschaft diese Kapelle durch die Lande zieht, das ist deutlich spürbar.“ Das sei ein Zeichen einer lebendigen Kapelle. Dass die Hälfte der Aktiven jünger als 21 Jahre alt ist, freue ihn besonders. „Blasmusik ist in und kann sogar cool sein.“
Friedberger Jugendkapelle wirft einen Blick zurück
Beim Festakt durfte freilich ein Blick zurück nicht fehlen. Ein Markenzeichen der Jugendkapelle ist die Uniform in den Friedberger Stadtfarben. Viel Gelächter gab es für die blaue Strumpfhose, die früher getragen werden musste und dann auf vielfachen Wunsch der heranwachsenden Jungs durch schwarze Hosen und weiße Socken ersetzt wurde.
Das sicherlich aufregendste Projekt war der Film „in 80 Tagen um die Welt“. Wie die Jugendlichen es schafften, den Ballon vom Ballonmuseum für eine Szene zu bekommen, weiß ich gar nicht“, erzählt Thon. Dieser Film weckte beim Festakt nochmals große Gefühle. Klarinettistin Sandra Dempfle erinnert sich: „Wir brauchten eine Seerose für eine bestimmte Szene. Bis ich die aus unserem Teich geholt habe, das werde ich nie vergessen.“ Aber auch als die neue Chronik mit dem Titel „Friedberg Musik und Wir“ von Jutta Metzger vorgestellt wurde, konnten sich viele das Lachen beim Ansehen der Fotos nicht verkneifen.
Nach 50 Jahren gibt es im Wittelsbacher Schloss viel zu erzählen
Es ist eben nicht nur die Musik, die die Jugendkapelle ausmacht, sondern auch das soziale Miteinander. Und das prägt die Jugendlichen. Gerne erzählte Thon, dass aus dem gemeinsamen Musizieren schon etliche Ehen hervorgingen. Einige Paare waren sogar anwesend. Nach einem tosenden Applaus ging es nach dem Festakt zum gemütlichen Teil über. Bei Häppchen und Getränken tauschte man sich gerne miteinander aus. Bei 50 Jahren kommt so einiges zusammen, was es zu erzählen gibt.

Sabine Roth, © Friedberger Allgemeine

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