Sie musizieren mit nassen Füßen

Musikvereine lassen sich bei Cold Water Challenge einiges einfallen

31.07.2014

Kaltes Wasser und Musik – diese Kombination hat sich rasch im Wittelsbacher Land ausgebreitet. Viele Musikkapellen nahmen am modernen Kettenbrief namens Cold Water Challenge teil. Es geht darum, dass Vereine etwas mit kaltem Wasser veranstalten, auf Video festhalten und dieses ins Internet stellen. Ein Verein kann einen anderen auffordern, innerhalb von drei Tagen ein ähnliches Video zu drehen. Falls er das nicht schafft, gibt es Brotzeit für den auffordernden Verein. Klingt nach einem harmlosen Spaß, doch in Isselburg in Nordrhein-Westfalen endete eine solche Aktion mit einem tödlichen Unfall. Im Landkreis ist glücklicherweise alles ohne Unfälle verlaufen.

Die Jugendkapelle Friedberg hatte einen der ersten Auftritte mit und im Wasser. Sie gingen vor knapp zwei Wochen knietief in den Friedberger See und spielten „Knallrotes Gummiboot“. Der Auftritt gelang und der Dirigent der Jugendkapelle, Andreas Thon, forderte die Bläser der Konradin-Realschule, die Kolpingkapelle Mering und den Musikverein Schmiechen auf. Von da an strömten die Videos ins Internet. Die Realschüler spielten „Wassermusik“. Ein Teil der Schüler begleitete die anderen musikalisch durch rhythmisches Stampfen mit den Füßen in Eimern mit kaltem Wasser. Die Meringer gingen auch in einen Badesee, doch im Video sieht es so aus, als ob sie die Musikkapelle dort hingebeamt hätten.

Die Trachtenkapelle ließ zunächst einen Pool vollregnen und stieg dann in Tracht ins hüfthohe Wasser. Auch die Stadtkappelle Friedberg stieg in ihrer Tracht ins kühle Nass, doch mitten in Friedberg in den Marienbrunnen. Gleichzeitig beriet der Stadtrat im Rathaus angespannt über das Wittelsbacher Schloss. Andreas Thon, der auch in der Stadtkapelle aktiv ist, vermutet, dass die Musik die Diskussion entspannte. Die Hofmusikanten hatten es bei ihrem Auftritt gleich mit Wasser von zwei Seiten zu tun. Sie stellten sich bei strömendem Regen in die Friedberger Ach. Nur der Musikverein Schmiechen blieb fern. Dessen Vorstand Tobias Steber mag solche Internetaktionen nicht, das gegenseitige Nachmachen gefalle ihm nicht.

Andreas Thon war zunächst auch nicht begeistert: „Als ich zum ersten Mal von der Aktion gehört habe, dachte ich mir: was für ein Blödsinn!“ Doch beim Dreh sei dann der Spaß gekommen. Der Auftritt wurde letztlich eine schöne Gemeinschaftsaktion, sagt Thon. Als kreativen Anschub sah Paul Peschke von den Hofmusikanten die Aktion.

Die Nachricht aus Isselburg fanden die Kapellenleiter erschreckend. Sie hatten sich vorher über die Sicherheit Gedanken gemacht. Die Dirigentin an der Realschule, Heike Schamberger wählte eine harmlose Aktion. Ein Ausflug zum See wäre mit der schulischen Sorgfaltspflicht nicht mehr zu vereinbaren gewesen. Auch Thon wählte etwas, was einfach umzusetzen ist. Nach dem Unfall in Isselburg macht sich Peschke mehr Gedanken um die Sicherheit. In der Ach sei das Wasser beim Regen auch überraschend schnell angestiegen, sagt Peschke. Er findet es tragisch, wenn Menschen immer höhere, weitere Aktionen starten und dabei vergessen, dass der gesellige Spaß am wichtigsten ist. So sei es wohl auch in Isselburg gewesen.

(Links zu den Videos siehe Artikel unten)
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László Dobos, © Friedberger Allgemeine

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