Der unermüdliche Jubilar beschenkt das Museum

Bei 125-Jahr-Feier übergibt der Friedberger Heimatverein eine Reproduktion der neu entdeckten ältesten Stadtansicht Von Manuela Rieger

08.06.2011

Über die Reproduktion einer alten Ansicht, auf der unter anderem Friedberg im Jahr 1571 zu erkennen ist, freuten sich (von links) Bürgermeister Dr. Peter Bergmair, Museumsleiterin Dr. Alice Arnold-Becker, der zweite Vorsitzende des Heimatvereins Walter Föllmer, die Vorsitzende des Heimatvereins Regine Nägele, Augsburgs Kulturreferent Peter Grab und der Filialdirektor der Stadtsparkasse Ernst Weber

Der unermüdliche Jubilar beschenkt das Museum

Friedberg Wie Friedberg vor dem Dreißigjährigen Krieg ausgesehen hat, können künftig Besucher des Museums im Wittelsbacher Schloss begutachten. Möglich macht dies der Heimatverein Friedberg. Er beschenkte zu seinem 125. Geburtstag das Museum mit einer Reproduktion dieses neu entdeckten „Juwels der Friedberger Geschichte“ aus dem Jahr 1571. Bei seiner großen Jubiläumsfeier bewies der Heimatverein einmal mehr, wie er Friedberger Geschichte lebendig erhält.

So wie dies traditionsbewusste Menschen aus Friedberg und Umgebung als Förderer oder ehrenamtliche Mitarbeiter im Heimatverein bereits seit 125 Jahren tun. Für den zweiten Vorsitzenden Walter Föllmer Grund genug, bei dem Festakt das Engagement der unermüdlichen Ehrenamtlichen herauszustellen. Das würdigten durch ihren Besuch auch viele Persönlichkeiten aus dem Wittelsbacher Land, aber auch weit darüber hinaus bis aus der französischen Partnerstadt Bressuire.

Die Fülle der Ausstellungsstücke, die das städtische Museum im Wittelsbacher Schloss zu bieten hat, dürfte den Besuchern bekannt sein. Nicht unbedingt aber die Geschichte des Heimatvereins. Einen kurzen Überblick darüber erhielt das Publikum in der Begrüßungsrede von Bürgermeister Dr. Peter Bergmair. Über die nicht immer freundschaftlichen Beziehungen zwischen Augsburg und Friedberg wusste Augsburgs Kulturreferent und Bürgermeister Peter Grab in seiner Ansprache zu berichten. Dr. Michael Cramer-Fürtig vom Augsburger Stadtarchiv hielt sich kurz und Museumsleiterin Dr. Alice Arnold-Becker wies auf künftige Ausstellungen hin.

Als Regine Nägele, Vorsitzende des Heimatvereins, ihren Festvortrag verlas, ging ein Schmunzeln durch die Reihen der Besucher, weil sie einiges Amüsantes zu bieten hatte. Kurz referierte sie über die Gründung des Museums, um sich der Geschichte des Schlosses ab 1571 und der ehemaligen Schlossherrin Christine von Lothringen zu widmen. Passend zu den damaligen Festen wie der Dult las das Mitglied Frederik Sowa ein altes Gedicht.

Anlass zu diesem Rückblick war ein Bilderfund im Jahr 2004. In diesem Jahr entdeckte Georg Feuerer im Keller des Stadtarchivs ein Bild, das Nägele als Juwel erkannte. Ein auf Leinwand gemaltes Aquarell aus dem Jahr 1571; eine Stadtvedute die von Stätzling bis fast nach Kissing reicht, in der Mitte das Schloss und die Krautgärten. Die bisher älteste bekannte Friedberger Stadtansicht im Antiquarium der Münchner Residenz stammt aus dem Jahr 1590.

Das entdeckte Werk war allerdings in desolatem Zustand und musste aufwendig renoviert werden. Dafür konnte die Stadtsparkasse Augsburg begeistert werden, denn allein war das nicht zu stemmen. Dem Engagement der Mitarbeiter sei es zu verdanken, dass auch künftige Generationen Details und andere Aspekte ihrer Heimat erfahren können. In Vertretung konnte Filialdirektor Ernst Weber von der Stadtsparkasse den Dank entgegennehmen.

Streifzug durch Stadtgeschichte als Neukomposition

Zu einer Feier gehört Musik. Dazu wurde die Jugendkapelle Friedberg eingeladen. Dass deren Kapellmeister Andreas Thon hin und wieder für Überraschungen sorgt, ist bekannt. Thon hat das Bild gesehen und in Töne transponiert: Ein Händler findet reges Treiben in der Stadt, die Idylle trügt, der Krieg bricht aus, Hoffnung kehrt zurück. So wurde der „Streifzug durch die Friedberger Geschichte“ uraufgeführt und erhielt zusammen mit seinem Dirigenten lang anhaltenden Beifall.

So wie Jugendkappellenmitglied Sowa ein altes Gedicht vortrug, kümmerte sich Kapellenmitglied Ludwig Nägele darum, dass das restaurierte Bild digitalisiert wurde. Das Schlossmuseum erhält die Reproduktion des Werks zusammen mit einem Touchscreen, auf dem der Besucher in Detailansichten zoomen kann. Zudem gibt es eine Festschrift, die über den Verein erhältlich ist und im Museum ausliegt.

manuela rieger, © Friedberger Allgemeine

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